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Besetzung:

Oliver Kai Müller
Mélanie Linzer
Alexander Valerius
Anas Aldabti
Maximilian Wex
Aylin Kekec
Hannah Bröder
Leonard Schärf
Charlotte Wollrad
Bastian Hahn

Bühne: Karsten Leschke
Kostüme Oberon & Titania:
Atelier Kira Kaela

Inszenierung: Christian Suhr

Spieldauer: 2 Stunden (eine Pause)

PREMIERE: 23.08.2019
beim Festival VOLK IM SCHLOSS 2019

TicketsPresse

DARMSTÄDTER ECHO 26.8.19 (Johannes Breckner)

Für solche Sätze liebt man den Dramatiker Botho Strauß. „Bitte, werfen Sie nicht den mageren Knochen eines gefährlichen Gedankenspiels in unsere Mitte“, sagt ein Passant zur Elfenkönigin Titania, die im Stadtpark den Zauber ihrer Sinnlichkeit an den Mann zu bringen versucht. Die gedrechselte Formulierung, die Kunstfiguren behauptet und gleichzeitig mit feinem Gespür Befindlichkeiten abtastet: Da bedauert man es, dass dieser Erfolgsautor der siebziger und achtziger Jahre auf den Bühnen aus der Mode gekommen ist.

Dass Christian Suhr von der Riedstädter Büchnerbühne sich „Der Park“ vorgenommen hat, belegt seinen literarischen Spürsinn ebenso wie die konsequente Entwicklung eines vielseitigen Repertoires. Suhrs Inszenierung des Textes von 1983, der Shakespeares Sommernachts-Geister in die Gegenwart eines schäbigen Stadtparks holt, mitten in eine Gesellschaft, an deren Beziehungslosigkeit und Gefühlsarmut auch der alte Zauber scheitert, dringt spielerisch vor zur Analyse einer emotional verarmten Welt, die ihre Liebe zum Gegenstand materieller Erwägungen macht. Dass der Eingangssong klingt wie die Eröffnung eines Brecht-Lehrstücks, passt zu dieser Deutung. Die Sinnlichkeit hat schon im ausgedehnten Vorspiel keine Chance, wenn Ravels ekstatischer „Bolero“ von ruppigen Improvisationen durchkreuzt wird. Wenig später werden Oliver Kai Müller und Mélanie Linzer die Figuren von Oberon und Titania entzaubern, ein in Vertrautheit fremd gewordenes Paar, das keine neue Orientierung findet, während ihr Gehilfe Cyprian (Alexander Valerius) mit Zauberamuletten unter den Menschen Verwirrung stiftet.

Die Büchnerbühne hat ihr Ensemble mit jungen Darstellern erweitern können, Hannah Bröder, Maximilian Wex, Aylin Kekec und Leonard Scherf spielen das Paar-Doppel, das mit dem gegenseitigen Betrug nur tiefer in die Krise gerät, Charlotte Wollrad und Bastian Hahn ergänzen diesen Reigen, auf der einen Seite die Langeweile eines spießigen Daseins, auf der anderen Missverständnis und Gewalt. Mit eingestreuten Songs macht Suhr diese übersinnlich angetriebenen Beziehungsdebatten zum Musical und hält die Balance zwischen Leichtigkeit und Ernst. Gegen Ende erscheint ein Goethe-Porträt auf den verschiebbaren Wänden der von Karsten Leschke entworfenen Bühne, aber auch der Zauber von „Wanderers Nachtlied“ hilft nicht mehr gegen die Vereinsamung.

Das ist einfallsreich und beweist Haltung zum Text. Ein guter Anfang, aber auch nicht mehr. Denn der Sprachzauber von Botho Strauß hat keine große Chance, weil die Premiere sich am Rande des schönen Groß-Gerauer Festivals „Volk im Schloss“ ereignet. Zwar schweigen während des Theaterspiels andere Bands und auch die gefährlichen Dudelsackspieler, aber die fröhliche Kommunikation im vollbesetzten Biergarten erinnert als beständiges Begleitgeräusch daran, dass es andere Vergnügungen gibt als die Beschäftigung mit einem nicht ganz einfachen Theatertext, weshalb nach der Pause die Reihen auch gelichtet sind.

Ihre größere Chance wird Suhrs Inszenierung beim Heimspiel im Leeheimer Theater haben.

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Der Park

von Botho Strauss

Titania und Oberon, die Liebesgötter aus Shakespeares „Sommernachtstraum“, finden sich im 21. Jahrhundert in einem ziemlich verdreckten Frankfurter Stadtpark wieder, wo sie sich bemühen, den Menschen erotische Lust, Sinnlichkeit und Poesie zu bringen.

Ihr Zauber verfängt jedoch nicht mehr: Die Welt ist liebesunlustig geworden, und auf die hektischen, ganz mit sich beschäftigten Zeitgenossen wirken die Naturgeister eher wie Freaks und Spinner.

Die Realpolitik des Alltags behält in den modernen Liebesbeziehungen menschlicher Paare die Oberhand, und scheinbar müssen sich auch Titania und Oberon ihr beugen. Doch ein seltsames Wesen gibt die Hoffnung nicht auf.

Oberons Handlanger Cyprian produziert nämlich sinnenverwirrende Amulette, die man als Modeschmuck unter die Leute bringen kann: kein "Kitschsouvenir aus irgendeinem Sektenshop", sondern veritable Fruchtbarkeitsdämönchen, die es in sich haben ...


Probenbilder

Fotos: CS / BüchnerBühne

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