Besetzung:

Valerie Bolzano

Verena Specht-Ronique

Mélanie Linzer

Oliver Kai Müller

Karsten Leschke

Alexander Valerius

Dimitri Eliseev

Thomas Freitag (Video)

Erich Schaffner (Video)

Gäste: Almaz Seleghi, Anas Aldabti, Rami Harli, Yamen Salem, Kaisar Al Hussin

Inszenierung: Christian Suhr



PRESSETICKETSTEXTARCHIV

Dantons Tod

von Georg Büchner

Georg Büchners Geschichtsdrama DANTONS TOD zeichnet einen zweiwöchigen Ausschnitt aus der entfremdeten Spätphase der Französischen Revolution vom 24. März bis 5. April 1794 nach.

Die politischen Ziele der Französischen Revolution sind zu Beginn der Spielhandlung  bereits erreicht. Im Mittelpunkt steht nun die Verwirklichung der „sozialen Revolution“, d.h. der gerechten Güterverteilung und allgemeinen Verbesserung der katastrophalen Lebensumstände der Massen.

An dieser Stelle eine Analogie zu den europäischen Krisen  unserer Zeit zu knüpfen, ist der Kerngedanke der Inszenierung, die auf unserem Europa-Projekt „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!“ aus den Jahren 2013-15 basiert.

Neben dem im Stück beschriebenen, auch in späteren Folgerevolutionen scheinbar unmöglichen Spagat, die Errungenschaften der Emanzipation zu bewahren und in eine demokratische Ordnung zu integrieren, die dem Wohle Aller verpflichtet ist, interessiert uns vor allem das Verhältnis von freiheitlichen Ideen zu deren kulturellen Voraussetzungen. Denn aus diesem resultiert die Wahl der politischen Mittel.

Wenn beispielsweise Robespierre vom TERROR (hier vom Staat ausgehend) als einzigem Mittel zur Verteidigung der TUGEND spricht, erreicht der Text  bis heute eine erschreckende Aktualität, die eine direkte Verbindungslinie von der französischen Revolution – der Geburtsstunde des europäischen Freiheitsgedankens – bis hin zum Schrecken beispielsweise des IS deutlich macht …

> Danton: „Ihr wollt Brot - und sie geben Euch Köpfe!“


Bereits in unserem Theater-Intergationsprojekt „DRECK“ haben wir mit dem syrischen Flüchtling Kaisar al Hussin (ein Lehrer aus Damaskus, der erstmals bei uns in dieser Produktion mitspielte)) über kulturübergreifende Mechanismen von Unterdrückung, Revolution und Terror diskutiert und viele Analogien in seiner Geschichte gefunden.

Bei weiteren Diskussionen im letzten Jahr während unserer Veranstaltungsreihe „FLÜCHTLINGSGESPRÄCHE“ vertiefte sich dieser Eindruck: Der ganze sogenannte „Arabische Frühling“ mit seinen fürchterlich gescheiterten Revolutionen sowie die tragischen Entwicklungen im Irak oder Afghanistan ließen sich mit Büchners DANTON-Text analysieren und führten zu einem fruchtbaren Austausch. So entstand die Idee, diesen in einem gemeinsamen Theaterprojekt der Öffentlichkeit vorzustellen und dadurch weiter voneinander zu lernen.