Club der Denker

Die BüchnerBühne möchte neben ihren kulturellen Aktivitäten wie Theater, Film und Lesungen einmal im Monat an einem Sonntagmorgen einen Raum für öffentliche Diskussionen anbieten. In der gemütlichen Atmospähre unseres Theatercafés erwartet Sie neben einem kleinen Frühstück ein Podium für alle Bürgerinnen und Bürger, die Interesse an einem offenen, gemeinsamen Diskurs haben.

SIE bestimmen die Themen – WIR geben Ihnen ein Podium.

In der Tradition angelsächsischer Debattierclubs kann der Meinungsaustausch politische Themen der Stadt, die Bundes- oder Weltpolitik und gesellschaftliche Entwicklungen betreffen. Das Spektrum ist unerschöpflich ….

Sie sind herzlich zum Gespräch eingeladen! Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei – Sollten Sie unser Angebot unterstützen wollen, so freuen wir uns über eine kleine Spende. 

Das Frühstückscafé öffnet jeweils um 10:00 Uhr – Das Gespräch startet um 11:00 Uhr.


„Je pense, donc je suis
"

René Descartes (1596-1650)
französischer Philosoph und Mathematiker

10.03.2019: Menschenrecht & Kapital

Wie kommt es, dass Menschenrechte gegen Menschenrechte kämpfen?

Ein Blick in die Geschichte:
Die amerikanische Revolution richtete sich gegen die englische Kolonialmacht. Hier kämpfte Menschenrecht gegen Menschenrecht. Denn der Kampfruf ›liberty and property‹ war auch die zentrale Losung der englischen Revolution in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Der Engländer John Locke gilt als »Vater der Menschenrechte«, als hätte er diese gezeugt. »Life, liberty, property, sagte der alte John Locke, der sie (die Menschenrechte) zum ersten Mal formuliert hat, Leben, Freiheit und Eigentum«. John Locke gilt deswegen auch als Inspirator der amerikanischen Verfassung.

Nebenbei war der Vater der Menschenrechte aber auch ein energischer Repräsentant englischer Sklavenhalter in Nordamerika und Aktionär der königlichen Sklavenhandelsgesellschaft.

Von 1793 bis 1815 führten auch England und Frankreich Krieg gegeneinander, beides Länder, die auf dem Boden der Menschenrechte standen. Wie war das möglich?

Folgt man der materialistischen Anschauung von Marx, ist das Rätsel schnell gelöst.

Die Interessen der Privateigentümer verschiedener Nationen, die den Kern der jeweiligen Menschenrechte ihrer Länder bilden, konkurrieren national und international miteinander. »Die sogenannten Menschenrechte … sind nichts anderes als die Rechte des Mitglieds der bürgerlichen Gesellschaft, d.h. des egoistischen Menschen.« (Marx (1843), Zur Judenfrage) Der Egoismus »des Menschen« setzt sich fort im Egoismus der Staaten dieses bürgerlichen Menschen, dem Nationalismus.

Und der ökonomische Konkurrenzkampf der bürgerlichen Nationen untereinander setzt sich in Kriegen fort. »Die französische Revolution gab ihm (dem britischen Bourgeois) eine herrliche Gelegenheit, mit Hilfe der kontinentalen Monarchien den französischen Seehandel zu ruinieren, französische Kolonien zu annektieren, und die letzten französischen Ansprüche auf Nebenbuhlerschaft zur See zu unterdrücken.« (Engels (1892)

Die universalen Menschenrechte und der universale Gott kämpfen auf jeder Seite mit. Gott und Menschenrechte bekämpfen sich selbst. Der jeweils ökonomisch und militärisch Stärkere siegt.

Ist das heute immer noch so? Gibt es irgendeine Alternative? Wer verteidigt denn tatsächlich die Menschenrechte?

Moderation: Christian Suhr

17.02.2019: Die Zukunft der Arbeit

Welchen Wert hat Arbeit im 21. Jahrhundert – für den Einzelnen, für die Unternehmen und für die Gesellschaft?

In Zeiten fortschreitender Digitalisierung wird überall über die Bedeutung der Erwerbsarbeit neu nachgedacht - sogar die Idee eines bedingungslosen Mindesteinkommens erreicht zunehmend die öffentlichen Debatten. 

Welche Auswirkungen haben die technologischen Veränderungen auf die Organisation sowie die individuelle und gesellschaftliche Bewertung von Arbeit? Werden bald nur noch kreative und komplexe Tätigkeiten von Menschen ausgeübt? Wie lässt sich der Wert von Wissensarbeit messen, die künftig immer wichtiger wird?

Dass der strukturelle Wandel mit dem massiven Verlust von Arbeitsplätzen einhergeht, gilt als sicher – ebenso wahrscheinlich ist aber auch, dass neue Stellen entstehen. 
Inwieweit sollte die Politik diesen Wandel steuern? Oder sollte sie dies etwa gänzlich „dem Markt“ überlassen?

Moderation: Christian Suhr

04.11.2018 „…oder doch lieber Kinder, Küche, Kerl?“

Die Journalistin und Autorin Julia Korbik ist im Rahmen einer städtischen Veranstaltungsreihe zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ beim „Club der Denker“  zu Gast. Sie hat mit ihrem Buch "Stand Up - Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene" der Frauenbewegung eine moderne Stimme gegeben. Für ihren Einsatz für Frauenrechte nutzt sie neben konventionellen Mitteln auch neue Formen der Kommunikation und Publizistik. So erreicht sie in kürzester Zeit virtuell Tausende.

Zu Ihrem Buch erklärt sie: „Wer heute jung ist, kriegt Pickel und Gänsehaut, wenn das Wort Feminismus fällt. Feminismus bedeutet Achselhaare, Kampflesben, Männerhasserinnen, schlechte Laune, Alice Schwarzer. Viele denken: Frauen können heute Bundeskanzlerin werden, sie können Maschinenbau studieren oder Pilotin werden, Hosen tragen oder Röcke, Kinder kriegen oder es lassen. Also, wozu brauchen wir heute noch Feminismus?

Die Antwort ist ganz einfach: Wir sind von echter Gleichberechtigung noch immer meilenweit entfernt. Solange man Mädchen-T-Shirts mit der Aufschrift "In Mathe bin ich nur Deko" kaufen kann, solange Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen als Männer, solange sie immer noch den größten Teil der Hausarbeit übernehmen und die Frage Beruf oder Kinder alleine lösen müssen - solange ist noch nicht alles gut.“

Julia Korbik hat ein cooles, radikales Manifest für junge Frauen geschrieben, denn sie sind es, die die Welt verändern. Ihr Buch, bestehend aus Text, bunten Bildern und Illustrationen, zeigt, wie wichtig es ist, dass wir jetzt nicht einschlafen, sondern aufwachen, damit es nicht erst in hundert Jahren Gleichberechtigung gibt, sondern ein bisschen früher.“

Julia Korbik, die am 25. November den diesjährigen Luise-Büchner-Preises für Publizistik entgegennehmen wird, ist ehrenamtlich aktiv für Cafébabel, das sechssprachige Europa-Onlinemagazin. Regelmäßig ist sie als Vortragsrednerin auf verschiedenen Veranstaltungen zu hören sowie als Gastdozentin zum Thema „Gleichberechtigung in der Kreativwirtschaft“ an der Popakademie Baden-Württemberg.

Auszüge aus „Stand Up“ – von der Autorin vorgetragen – sollen die Gäste der Veranstaltung zu einer regen Diskussion ermuntern. In der gemütlichen Atmosphäre des Theatercafés erwartet Interessierte ein Podium für einen offenen, gemeinsamen Diskurs.

Moderation: Christian Suhr

07.10.2018 „Existenzangst" – Was treibt uns wirklich an?

Die herrschende Ökonomie verlangt ständiges Wachstum, immer und überall und ohne Ausnahme. Daran wollen alle teilhaben: Staaten, Konzerne, Bürger aller Schichten. Ohne Rücksicht auf Verluste? Dass das auf Dauer nicht gut geht und gehen kann, ist mittlerweile nicht nur intellektuellen Kreisen klar. Rohstoffknappheit, Überbevölkerung, Flüchtlings-und Schuldenkrisen sind präsenter denn je. Wir beginnen zu ahnen: Das Wachstum hat seine Grenze, und wir müssen uns von der Illusion des unbegrenzten Wohlstands endgültig verabschieden.

Aber was wären die Alternativen? Wo werden sie öffentlich diskutiert?

Wir haben nicht das Recht auf Wohlstand abonniert, erst recht nicht ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht nur für wirtschaftliche und politische Entscheider, sondern für jeden Einzelnen von uns wird es womöglich Zeit, praktisch Verantwortung zu übernehmen und die Welt nicht länger Politikern und Ökonomen überlassen.

Moderation: Christian Suhr

16.09.2018 „Ich denke, also bin ich“ – Descartes & die Folgen

Zum Einstieg in die Veranstaltungsreihe bieten wir als Ausgangspunkt ein gemeinsames Nachdenken über einen Satz an, den jeder sicher schon einmal gehört hat: "Ich denke also bin ich“. Er stammt von dem französischen Philosophen und Mathematiker René Descartes.

Descartes hat mit seinem revolutionären Denken die Entwicklung der europäischen Philosophie und Naturwissenschaften maßgeblich beeinflusst und gilt als einer der wichtigsten philosophischen Begründer der Neuzeit.

Doch was soll man überhaupt darunter verstehen – oder vielmehr noch: warum sollten wir uns heute noch dafür interessieren? In Anbetracht der Tatsache, dass dieser eine Satz das gesamte Denken und Leben Europas bestimmt hat, wollen wir uns einmal diesen beiden Fragen stellen ...

Moderation: Christian Suhr