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Besetzung:

Oliver Kai Müller
Mélanie Linzer
Ursula Stampfli
Johanna Bronkalla

Hannah Bröder
Erich Schaffner
Karsten Leschke
Bastian Hahn
Alexander Valerius

Absinto Orkestra

Inszenierung: Christian Suhr

Spieldauer: 2 Stunden 20 Minuten (eine Pause)

PREMIERE: 15.03.2019 

TicketsPresse

DARMSTÄDTER ECHO 18.3.19 (Anke Mosch)

Die Vorlage zur „Dreigroschenoper“ hat fast 300 Jahre auf dem Buckel – aber bei der Premiere in der Leeheimer Büchnerbühne präsentiert sich die „Bettleroper“ frisch und frech.


Kaum zu glauben, dass die Vorlage für Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ fast 300 Jahre auf dem Buckel hat. Frisch und fröhlich frech in ihrer beißenden Kritik einer korrupten Gesellschaft, kam die „Bettleroper“ frei nach John Gay in der Büchnerbühne daher, am Freitagabend stürmisch gefeiert vom Premierenpublikum im ausverkauften Theater an der Kirchstraße.
Der Abend wurde zwar lang, aber nie langatmig. Was vor allem ein Verdienst der Musik war. Büchnerbühnenleiter Christian Suhr hat sich in seiner Inszenierung eng an der 1728 in London uraufgeführten „Beggar’s Opera“ von John Gay orientiert, die Musik für seine Bettleroper aber komplett neu arrangiert und komponiert. Tatkräftig unterstützt wurde er von Mitgliedern des Absinto Orkestra. Die Musiker der Balkan-Beat-Band spielten nicht nur gewohnt temperamentvoll auf, sondern bereicherten das quirlige Bühnengeschehen auch als Bandenmitglieder aus Peachums Bettlersyndikat. Der Hausmusiker der Büchnerbühne wiederum, Bastian Hahn, griff zu Akkordeon und akustischer Gitarre und gab zudem den kleinen, verhuschten Bettler Filch mit hinreißend anrührendem Sprachfehler.

Personal und Handlung sind aus der „Dreigroschenoper“ bekannt: Geschäftsmann Mr. Peachum (Erich Schaffner) hat ein straff durchorganisiertes und auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Bettlerimperium aufgebaut. Wer nicht mehr genug Geld ranschafft, wird gewinnbringend an Polizeidirektor Lockit (Alexander Valerius) verraten. Das lukrative System gerät in Gefahr, als sich Töchterchen Polly (Hannah Bröder) in Gegenspieler und Weiberheld Captain Macheath (Oliver Kai Müller) verliebt und so dämlich ist, ihn gleich zu heiraten. „Die Ehe ist die kostspieligste Plage auf der ganzen Welt“, giftet die entsetzte Mutter (Mélanie Linzer).

Doch Peachum wäre nicht der gerissene Geschäftsmann, wenn er nicht schnell die monetären Vorteile dieser Verbindung sehen würde: Wenn er Macheath verpfeift, ist er einen Konkurrenten los, streicht das Kopfgeld ein und macht die Tochter zur reichen Witwe. Die Drecksarbeit des Verrats lässt Peachum dann die Schwarze Witwe machen (herrlich schrill: Ursula Stampfli).

Es dauerte eine ganze Weile, bis der triebgesteuerte Captain das erste Mal in Erscheinung trat – aber dann mit Wucht. Im gestreiften Morgenmantel, mit Schmachtblick und Schmelzstimme bezirzte Macheath Polly und Publikum gleichermaßen. Überhaupt war der Abend geprägt von starken Stimmen. So gab Mélanie Linzer mit ihrer schönen Altstimme all der Enttäuschung und Desillusionierung ihrer Mrs. Peachum Ausdruck, und Johanna Bronkalla sang als Schwester des Polizeidirektors und weitere Braut des Macheath mit der Haltung einer sitzengelassenen Flamenco-Tänzerin ihren Grimm über den treulosen Geliebten wie über die verhasste Konkurrentin hinaus. Erich Schaffners Peachum wirkte zu Beginn ein wenig zerstreut, war aber stimmlich immer voll präsent, und auch Alexander Valerius setzte als Lockit besondere Akzente.

Das letzte Wort der Bettleroper gebührte dem titelgebenden Bettler (Karsten Leschke), der das Stück ersonnen hat: Nach der Moral müsste Macheath eigentlich hängen, doch aus Rücksicht auf den Publikumsgeschmack gibt es augenzwinkernd ein Happy End für den Weiberhelden.

                                                                   
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Bettleroper

frei nach John Gay

Im London des Jahres 1728 ließ Jonathan Jeremiah Peachum, ein bekannter und allseits geschätzter Geschäftsmann und Familienvater, schwere Jungs und leichte Mädchen für sich arbeiten.

Das vorzüglich organisierte Gangster-Syndikat war - menschlich und finanziell - dem Polizeidirektor Lockit eng verbunden. In Ungnade gefallene Angestellte konnte Peachum so leicht eliminieren: Er ließ sie denunzieren und der Polizeidirektor ließ sie hängen. Am gefährlichsten wurde Peachum der Captain Macheath, ein leitender Straßenräuber und Frauenheld. Macheath hatte Peachums Tochter Polly verführt und geheiratet - die neue Stellung machte ihn zur Gefahr fürs Syndikat. Peachum beschloss folgerichtig seinen Tod.

Die erfundene Gangster-Geschichte war einer der größten englischen Theater-Erfolge - "Die Bettleroper" des John Gay (1685 bis 1732). Uns Deutschen ist das Gay-Stück nicht neu. 1928 hatte das Berliner "Theater am Schiffbauerdamm" spektakulär mit einer Bearbeitung der alten „Bettleroper“ eröffnet - mit Bertolt Brechts „Dreigroschenoper".

Die Brecht-Bearbeitung, mit Song-Texten nach Villon und der Musik Kurt Weills, sang den Berlinern von den „Verhältnissen", die „nicht so" sind, und: „Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm." Das bürgerliche Publikum zerklatschte den Affront zum Erfolg. Die Songs wurden weltbekannte Hits.

Beim Studium des Originals und dessen Entstehungsgeschichte kann man den Eindruck bekommen, dass Gay zu seiner Zeit weitaus aggressiver war als Brecht in den zwanziger Jahren.

Denn die "Bettleroper", gegen die heroische italienische Oper und gegen das Regime des Premierministers Sir Robert Walpole (1676 bis 1745) geschrieben, traf beide: Sie leerte die Hofoper und brachte - so der Gay-Freund Jonathan Swift („Gullivers Reisen") - "so viele Menschen zum Lachen wie die Minister zum Weinen“.

Weinende Minister wird die BüchnerBühne zwar nicht erreichen, möchte sich aber in ihrer Neubearbeitung erlauben, die sehr genaue Analyse gesellschaftlicher Missstände Gays auf unterhaltsame Weise einem heutigen Publikum in Erinnerung zu rufen.

Probenbilder

Fotos: CS / BüchnerBühne

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